Geschichte und Tradition in der Knopfstadt Bärnau

Bärnau liegt im Landkreis Tirschenreuth, dem nördlichsten Landkreis der Oberpfalz. Hierbei stößt man auf das „Stiftland". Wenn man vom Stiftland spricht, ist darunter der Teil der nördlichen Oberpfalz gemeint, der zur alten Zisterzienserabtei Waldsassen gehörte. Verwaltet wurde das Stiftland durch ein Oberamt in Waldsassen und ein Pflegeamt in Tirschenreuth. Diesen Ämtern waren Richterämter unterstellt, die Anfang des 14. Jahrhunderts errichtet wurden und die für sich wieder eigene Gemeinden bildeten.

Das Kloster Waldsassen wurde 1133 durch den Marktgrafen Diepold III. gegründet. Es konnte im Laufe der Jahre immer mehr Besitz gewinnen, wobei auch Bärnau dazugehörte. Bärnau stand also von 1296 – 1350 unter dem Stift Waldsassen.

Am 3. September 1343 wurde das Dorf Bernaw - ohne Markt gewesen zu sein - durch Kaiser Ludwig den Bayern zur Stadt erhoben und erhielt zugleich das Recht der "Meile Wegs". Urkundlich belegt ist, dass Bärnau schon 1311 Sitz eines Richters war. Später war ein Pflegeamt ansässig. Durch die auf einer Anhöhe von Mauern umgebene und in leicht ovalem Areal angelegten Stadt, in deren Mittelpunkt sich die Stadtpfarrkirche St. Nikolaus erhebt führte auch die "Goldene Straße" von Nürnberg nach Prag.

Die Christianisierung dürfte Ende des 10. Jahrhunderts erfolg sein. Der Geschichtspark zeigt diese Phase der Geschichte sehr anschaulich mit den 1:1 Rekonstruktionen. So zeigt er wie die Slawen in der Region sich verstärkt dem Christentum zugewandt haben. Als älteste Kirche wird 1556 die Elisabeth-Kapelle genannt. Der Reformator Jan Hus, der 1415 in Konstanz als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, nächtigte am 15. Oktober 1414 auf seiner Reise zur dortigen Kirchenversammlung in Bärnau. In Bärnau finden immer wieder Festspiele statt, die dieses besondere Ereignis würdigen.

Die lange unklare Grenzziehung zwischen Bayern und Böhmen war Ursache für manchen Grenzkämpfe und Zwistigkeiten. Gerade während des 30jährigen Krieges waren Truppenmärsche und Belagerungen keine Seltenheit. Auch der brühmte Kriegsherr Tilly lagerte seine Truppen am Steinberg. Die alte, im Quadrat gebaute "Tillyschanze" kann man noch heute erkennen.

In Bärnau herrschte stets reger Handel und Verkehr, doch war der Ort lange landwirtschaftlich geprägt. Mit der aufkommenden Industrialisierung im 19. Jahrhundert änderte sich dies schlagartig. In dieser Zeit werden auch die Grundlagen für die so dominante Bärnauer Knopfindustrie gelegt. Den Höhepunkt erreichte die Knopfproduktion in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts. Dutzende Knopfbetriebe produzierten über 20 Millionen Knöpfe aus Perlmutter in unterschiedlichen Größen und Formen pro Tag. Im Jahr 1954 wurde sogar eine städtische Knopffachschule. In den Jahren zwischen 1967 und 1974 fand in Bärnau dann die internationale Knopfmesse IKNOFA statt.Alle zwei Jahre hatte Bärnau hier die Welt zu Gast. Heute kann man im Deutschen Knopfmuseum in Bärnau Knöpfe aller Art, die Knopfherstellung u.v.m. kennen lernen. 

Der Strukturwandel und die Umstellung auf die Produktion von Billigknöpfen führte auch in Bärnau zu enormen Veränderungen. Mit neuen Projekten und vielen kleinen Firmen hat sich Bärnau aber weiterentwickelt und zukunftssicher für die kommenden Herausforderungen gemacht.

 

 

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